Basiskurs - MODUL 1- Diagnose und Behandlung der chronischen traumabezogenen Dissoziationen der Persönlichkeit - Ellert R.S. Nijenhuis -19.-20.01.2022

Seminar unter Leitung von Ellert R.S. Nijenhuis // Ingrid Wild-Lüffe und Bettina Mombauer
  • 1 Seminar
  • 2 Teilnehmerdaten
  • 3 Fragebogen
  • 4 Übersicht
S-24
Die Diagnose und die Behandlung chronisch traumatisierter Individuen ist komplex. Diese Komplexität kann Fachleute überfordern und verwirren. Sie kann zu Sackgassen in der Behandlung und zu problematischen Gegenübertragungsreaktionen führen.
In dem Training wird die Komplexität der chronischen Traumatisierung im Sinne einer Theorie der traumabezogenen Dissoziation der Persönlichkeit begriffen. Daraus werden verschiedene Behandlungsleitlinien entwickelt. Teilnehmer*innen von Workshops über Dissoziativität der Persönlichkeit berichten generell davon, dass ihnen diese Theorie hilft, Personen besser verstehen und behandeln zu können, die schweren Missbrauch und massive Vernachlässigung erlebt haben. Viele Patienten berichten, wie diese Theorie ihnen ebenfalls hilft, Einsicht in ihre Symptomatik und Probleme zu bekommen und sich selbst zu verstehen und dann besser mit sich umgehen zu können. Oft ist in komplexen Situationen eine gute Theorie die beste Praxis. Im Einklang mit der Theorie der Dissoziation der Persönlichkeit, besteht eine Traumatisierung in einer wesentlichen Aufspaltung der Person in eine oder mehrere Anteile, die die Funktion haben, das tägliche Leben und die Reproduktion (i.S. einer kollektiven Über lebensstrategie) sicherzustellen. Der eine oder mehrere Anteile übernehmen das traumatische Gedächtnis und die Funktionen der biophysiologischen Verteidigungen als Reaktionen auf reale oder subjektiv erlebte Bedrohung (i.S. einer individuellen Überlebensstrategie). Die verschiedenen Anteile der Persönlichkeit üben unterschiedliche Funktionen aus. Diese Funktionen werden aus evolutionären Handlungssystemen abgeleitet, wie z.B. das Bindungssystem, Neugierverhalten, Spiel-und Verteidigungsverhalten, und manifestieren in sich in unterschiedlichen kognitiven Mustern und Verhaltensweisen. Die Dissoziation der Persönlichkeit ist ein essentielles Merkmal eines weiten Spektrum traumabezogener Störungen: akute Stressreaktionen, posttraumatische Stressreaktionen, komplex posttraumatische Stressreaktionen (als diagnos tische Kategorie vorgeschlagen), traumabezogene Konversionsstör ungen (DSM-IV)/Dissoziative Störungen der Bewegung und des Empfindens (ICD -10), dissoziative Störung NOS (DDNOS) und dis soziative Identitätsstörungen. Alle Anteile neigen gewöhnlich dazu, Bindungsmuster zu unterbrechen, d.h. sie zeigen konkret ein Muster, das als desorganisiertes Bindungsverhalten bekannt ist. Dennoch ist dieses desorganisiertes Bindungsverhalten letztlich nicht so desorganisiert wie es zunächst scheint, da es verschiedene Verhaltensmuster in sich vereint. Ein Anteil sucht dann Nähe bei Tätern und Bezugspersonen, die ihm schaden und vernachlässigen, um Zuneigung zu erreichen und Gefühle des Alleine- und Verlassenseins und des Zurückgewiesenwerdens zu vermeiden. Ein anderer Anteil vermeidet genau diese Nähe mit einer physiologischen Verteidigungsreaktion wie zum Beispiel Flucht, Erstarren und Kampf. Überlebende von chronisch traumatischen Stress suchen oftmals Zuwendung, aber gleichzeitig fürchten sie Nähe und (positive) Abhängigkeit. Die Theorie der Dissoziationen der Persönlichkeit und ihr Handlungsmodell baut auf theoretische Grundvorstellungen, die darauf abzielen, eine Reihe anderer Perspektiven mit einzubeziehen, wie z.B. die Handlungspsychologie Janets, die Emotionstheorie als Neurowissenschaften der Emotionen, Entwicklungspsychopathologie, Bindungstheorie, Lerntheorie, kognitive Theorie, Psychobiologie der Traumatisierung und sensormotorische Psychotherapie.
Diese integrative theoretische Orientierung mündet in einen phasenorientierten Behandlungsplan, der körperorientierte Interventionen beinhaltet. Grundsätzlich werden Körper und Geist als eine funktionale Einheit verstanden.

Erstes Modul
Das erste Modul ist darauf ausgerichtet, die Handlungssysteme der Patient*innen genauer zu untersuchen. Auf Basis der „mentalen Ökonomie“ nach Janet wird hier-zu eine Tiefenanalyse der Funktionen der Patient*in erstellt. Wichtig hierbei ist die Untersuchung, welchen psychischen Gewinn und welche Kosten der/die Patient*in im Verlauf ihres/seines Lebens gewisse Handlungen gehabt hat und haben wird und wie ein vorteilhafteres Gleichgewicht zwischen verschiedenen Aktionssyste-men erreicht werden kann. An diesem Wochenende wird es auch darum gehen, wie Therapeut*innen ihre Patient*innen darin unterstützen können, die Diagnosekrise zu bewältigen und ihre Phobie der therapeutischen Beziehung und Bindung in der Anfangsphase der Behandlung zu überwinden.
THZM, Seminarzentrum, Horemansstraße 8 Rgb., 80636 München
430,00 EUR inkl. 0,00 EUR (0,0%) MwSt.

Mitgliedsrabatt: 395,00 EUR inkl. 0,00 EUR (0,0%) MwSt.

19.01.2022 09:30 - 17:00

20.01.2022 09:30 - 17:00

Ingrid Wild-Lüffe

Ellert R.S. Nijenhuis

Bettina Mombauer

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